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Die Bretagne ist eine Region im atlantischen Westen Frankreichs, deren keltisch beeinflusste Musikkultur einige melodische Ähnlichkeiten mit keltischer Musik Irlands und Schottlands teilt, jedoch ebenso viele mit der traditionellen Musik Frankreichs. Dennoch stellt bretonische Kultur aufgrund ihrer langzeitigen Isolation und eines besonders starken Assimilierungsdruckes aus Paris ein besonders differentes Substrat dar. Das ethnische Fundament dieser Kultur waren nicht keltische Gallier, sondern britisch-keltische Emigranten, die im 5. Jahrhundert aus Cornwall infolge der durch die Angelsachsen ausgelösten demographischen Verschiebungen in die Bretagne übersetzten. Daher ist das keltische Bretonisch, nachdem das einst in Cornwall gesprochene Kornische ausgestorben war, dem Walisischen am nächsten (siehe auch Musik aus Wales). Bretonische und walisische Ritter, die auch gemeinsame Sagen- und Mythenkreise (wie den Artus-Mythos) miteinander teilten, sollen noch im Hochmittelalter einander verstanden haben. Die Musik der Bretagne ist von einer strukturellen Einfachheit und Monotonie, die jedoch durch ihre außerordentliche Melodienschönheit ausgeglichen wird. Es existieren 25 verschiedene Tanzrhythmen (mit noch mehr Variationen). Die meisten davon im 4/4- und 12/8-Takt, mit starken rhythmischen Variationen, die für einen nicht-bretonischen Hörer nur schwer auszumachen sind. Jede Region hat ihre spezifischen Tanzformen wie die Gavotte in der Zentral-Bretagne oder der Dans-Plinn im Nordwesten bei Bourbriac. Die bedeutendsten Tanzformen, zu denen in Reihen getanzt wird, sind Gavotte, Plinn, An Dro, Hanter Dro, Fisel und Rond (die sich übrigens allesamt von der Branle, einem in der Renaissance vorherrschenden französischen Tanz herleiten). Unter Einfluss britischer und französischer Contrendanses (Country Dances) bildeten sich im 17./18. Jahrhundert auf bretonischem Boden die Tänze Jabadao, Pach-Pi und Bals heraus. Im 19. Jahrhundert kamen dann noch die üblichen Polkas, Mazurkas und Schottische hinzund Individuelle Namen für Tunes (wie auf den Britischen Inseln üblich) fehlen weitgehend. Bedeutendste Liedtypen sind elegische Laments und Balladen, der sog. Gwerziou (Plural von Gwerz), sowie der Kan ha Diskan, welcher nach einem musikalischen Frage-Antwort-Schema funktioniert: Kaner und Diskaner singen abwechselnd Liedzeilen, ehe beide die Zeilen gemeinsam wiederholen bzw. in einen Refrain einstimmen. Kann ha Diskan orientiert sich nach rhythmischen Tanzmusiktunes und entspricht dem Duett zwischen Dudelsack und Schalmei, der Binioù (eigentlich Binioù koz bzw. Binioù bihan) und der Bombarde, den traditionellsten gebräuchlichen Instrumenten der Bretagne. Diese wurden zum Tanz vom couple de sonneurs bei den festoù-noz, den bretonischen Tanzveranstaltungen gespielt. Im Südosten wurde auch die Veuze, eine der galicischen Gaita nicht unähnliche Dudelsackform gespielt. Daneben existieren natürlich auch noch Geige, das diatonische Akkordeon, eine traditionelle Form der Klarinette: die Treujenn Gaol, und in den östlichen Provinzen der Bretagne (Pays Gallo) unter Einfluss französischer Volkskultur auch die Drehleier (Vieille à roue). Das von der irischen Szene inspirierte Folk-Revival der 70er Jahre brachte auch Bouzoukis, Gitarren, hölzerne Querflöten, Saxophone etc. in diese Musik. Durch die Gründung des Bodadeg Ar Sonarien, einem Verband zur Förderung von Bombarde und Binioù im Jahre 1943 kündigte sich ein traditionalistischer Aufschwung bretonischer Kultur und Musik an. In den 50er Jahren entwickelten sich die Bagadoùs, Blasmusikkapellen aus Bombarde- und Binioùbläsern, wobei die sehr schrille und leise Binioù bald - nicht zuletzt infolge des Kontaktes mit den britischen Truppen der alliierten Befreiungsarmee - von den schottischen Highland Pipes abgelöst wurde. Den Bagadoù ermangelt es jedoch an militärischem Charakter und sie waren nicht lediglich folkloristische Institutionen, sondern zuweilen auch musikalische Experimentierstätten wie die Bagad Kadoudal de la Kevrenn de Rennes, die früh bulgarische Melodien in ihr Repertoire integrierten (siehe Die Balkan-Connection), oder die berühmte Bagad Kemper, die sich von einer konventionellen „Blasmusikkapelle“ in Richtung Kunstmusik schon weit entfernt hat. Seit den 60er Jahren wurde begonnen, Kontakte zu anderen keltischen Musiktraditionen, der irischen, schottischen, walisischen und zuletzt der galicischen (N-Spanien) zu knüpfen. Musikalisches Epizentrum dieser Entwicklung ist bis heute das Festival Interceltique in Lorient. Ein bretonisches nicht-traditionalistisches Folk-Revival hob erst Ende der 60er Jahre durch Sänger wie Gilles Servat und Glenmore sowie durch Alan Stivell an, der zuvor bereits durch die Revitalisierung der hochmittelalterlichen bretonischen Harfe von sich hören ließ. Mit ihm übersprang das Revival einige Phasen seines britischen Vorbildes und fing gleich beim Folk-Rock an. Es folgten stilistisch neugierige Bands wie Tri Yann, An Triskell, Kouerien, Ar Skloferien, Dialoud Ar Menez und Sonerien Dund Eine nächste Welle ließ sich von den musikalisch anspruchsvollen Experimenten irischer Bands wie Planxty, Chieftains und Bothy Band inspirieren und schuf einen Bandtypus, der Dudelsack (Binioù, Highland Pipes od. die nordspanische Gaita), Bombarde mit Gitarre, Bouzouki, Querflöte (gelegentlich auch E-Bass und Synthesizer) zu einer sehr komplexen und kunstvollen Interpretation traditioneller Musik verband. Bands wie Bleizi Ruz und vor allem Kornog, in weiterer Folge Strobinell, Ortolan, Skolvan, Storvan, Gwerz, Barzaz oder Pennoù Skoulm und neuerdings Caré Manchot, Gwenva, Koun, Kasadenn, BF.15, Spontus und Skeduz. Eine Szene, die sich um exzellente und innovative Musikerpersönlichkeiten gruppiert wie die Gitarristen Dan Ar Braz, Nicolas Quemener (Arcady, Skeduz), Gilles Le Bigot (Barzaz, Skolvan), Soïg Sibéril (Kornog, Barzaz, Orion), Jacques Pellen und neuerdings Erwan Bérenguer (Spontus), Geiger Christian Lemaître, Pierrick Lemou (Storvan), Fañch Landreau und Jacky Molard, - dessen Bruder: Bretagnes Vorzeigepiper Patrick Molard, elegante Akkordeonisten wie Alain Pennec und Yann-Fañch Perroches, Pianist Didier Squiban, E-Bassist Alain Genty, Harfenistin Kristen Noguès oder solch illustre SängerInnen wie Annie Ebrel (Digenn), Stephanie Morvane, Yann-Fañch Kemener und Erik Marchand. Letzterer machte besonders durch die Verbindung bretonischer Musik mit verschiedenen anderen Traditionen (arabische Musik, Raï, rumänische Zigeunermusik) von sich reden. Modernen Folk-Rock bieten Bands wie Den, Gwendal, Glaz oder Soldat Louis. Neue Wege in Richtung Jazz und Kunstmusik gehen Ensembles wie Tammles, Digenn, L’Occidentale de Fanfare, Bernard Lepallec & Ar Jazz, Jacques Pellens La Celtic Procession, Ti Jaz oder das Quintet Clarinets. Interessante Fusion in Richtung Drum & Base und Elektronische Musik produziert der in Gwerzioù geschulte Sänger Denis Prigent. Bretonische Musik hat auch schon ihre Wege an die Spitzen der französischen Charts gefunden, z. B. durch die Rapgruppe Manau mit ihrem Hit La Tribu de Dana (1998), dem die Melodie des Traditionals Tri Martelod zugrunde liegt. Gitarrist und Singer/Songwriter Dan Ar Braz, seit seiner Zusammenarbeit mit Alan Stivell Anfang der 70er Jahre einer der Botschafter bretonischer Musik, schuf mit dem Projekt l`Hèritage des Celtes, das bis zu 75 MusikerInnen der bretonischen, irischen und schottischen Folk- und Roots-Szenen in sich vereint, einen der bombastischsten Selbstdarstellungen und Beiträge zu einer „keltischen World-Music“, deren Kohärenz jedoch kaum mehr als ein modern zurechtgestyltes Kunstprodukt sein dürfte – was der musikalischen Qualität freilich keinen Abbruch tut. Die bedeutendsten Labels für bretonische Musik sind Keltia, Coop Breizh und Gwerz Pladenn.
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